Erlebnisbericht von Uwe Heyk

Am 19. Mai 2007, einem Tag mit leichtem Westwind, bedecktem Himmel und angenehmen Temperaturen, machte ich mich auf den Weg, um an einer meiner geliebten dänischen Auen den Bachforellen und Äschen nachzustellen. Ich wollte unbedingt meine neue Garrison Rute, die mir der englische Rutenbauer Gary Marshall im letzten Jahr gebaut hatte, zum Einsatz bringen. Leider war der letzte Herbst sehr verregnet und die Bäche entsprechend randvoll mit Wasser, so dass ein normales Fischen mit der Trockenfliege gar nicht möglich war. So war ich also ganz heiß, das neue Stück endlich auszuprobieren.

Bestückt wurde diese herrliche klassische Rute mit einer passenden Winston Perfect Rolle, auf der sich wiederum eine Phoenix Line von Mike Brooks befand. Eine absolut harmonische perfekte Zusammenstellung des Gerätes, welches beim Werfen und Fischen höchsten Genuss bietet.

Meerforelle03

Die neuen Phoenix Lines sind mit den Seidenschnüren, mit denen ich bereits vor 40 Jahren das Fischen erlernt habe, nicht mehr zu vergleichen, sie sind wesentlich glatter und schussfreudiger und sägen daher nicht mehr an den Ringen. Die Vorzüge kann man ja auf der Website von Herrn Janousch nachlesen, und ich steige jedenfalls, wenn ich meine Gespliessten fische, wieder voll auf Seide um. Es bringt mir einfach mehr Spaß, mit stilvollem traditionellem Gerät zu fischen als mit den heutigen Hochleistungsknüppeln, die ihre Stärke mehr im Weitwurf haben. Genussvolles Fischen ist für mich keine Sache der Entfernung, sondern die Liebe und Einstellung zur Natur und sorgsam ausgewähltes Gerät.

So ausgestattet, ging ich den Bach stromauf. Es trieben für diese Jahreszeit schon außergewöhnlich viele Maifliegen den Bach hinab, aber außer ein paar Haseln hatte sich nichts gezeigt. Ich besuchte die vertrauten Stellen und lauerte hier und da ein viertel Stündchen, aber es tat sich merkwürdigerweise gar nichts. Ich habe ich es schon häufiger am Anfang der Maifliegenzeit erlebt, als wie wenn sich die Fische erst an das Vorhandensein der Maifliegen gewöhnen müssen.

Da ich bereits einen längeren Weg abgeschritten hatte und sich so gar nichts tat, spielte ich mit dem Gedanken, eine der anderen Auen aufzusuchen, denn oft verhalten sich die Fische in den unterschiedlichen Gewässern ganz anders.

Also machte ich mich ganz langsam auf den Rückweg und schaute hier und da nach steigenden Fischen. Was war das?  War es eine Schwalbe, die ebenfalls nach Maifliegen jagt oder eine Forelle? So umging ich die Kehre und schaute mir die Stelle von weiter stromab genauestens an. Da, wieder, es war ein Fisch. Ich stieg vorsichtig ins Wasser, damit mich der Fisch nicht auf dem hohen Ufer sehen konnte, und näherte mich ein wenig der heißen Stelle.

Der Fisch kam noch 2 mal hoch und nahm eine Maifliege. Es waren vorsichtige, aber dennoch stramme Ringe. Einmal sah ich nur einen dunklen Schatten an die Oberfläche kommen und wieder verschwinden und ich dachte an eine gute Bachforelle, so um die 45 - 50 cm.

Jetzt wurde ich doch nervös, nur nichts falsch machen. Ich servierte meine Maifliege erst einmal in der Nähe des Fisches, keine Reaktion. Der nächste Wurf ging etwas daneben, ja der Wind und die Aufregung. Dann erfolgte ein Wurf etwas außerhalb des Gesichtsfelds des Fisches, und die Fliege trieb sauber und ohne zu dreggen direkt auf ihn zu.

Nun tauchte der Schatten abermals auf und nahm dann energisch die Fliege. Rute hoch und er sitzt. Nun merkte ich doch einen strammen Zug, und der Fisch kam hoch und wälzte sich an der Oberfläche, ohne noch die wahre Größe erkennen zu geben. Es gab einen schweren Zug an der leichten 5er Rute, und der Fisch schoss stromauf und nahm Schnur von der Rolle.

Ich musste aus dem Wasser, um dem Fisch folgen zu können. Immer wieder schwallte der Fisch an der Oberfläche und ging dann wieder auf Tiefe. Die Flucht ging mit schwerem Zug stromauf und stromab. Nach langem nervenaufreibenden hin und her wurde der Fisch ruhiger und müde, und ich konnte ihn das erste Mal erblicken.

Da wurde mir erst klar, es ist wieder eine Meerforelle und diesmal noch grösser als mein letzter Fang vor 3 Jahren! Meine Knie wurden weich, und ich brauchte mehrere Anläufe, um den Fisch in meinen viel zu kleinen Kescher zu führen. Aber Petrus sei Dank, ich weiss nicht wie, aber es ist mir wieder einmal geglückt, solch einen Silberbarren sicher an Land zu bringen.

Dies ist schon ein großes Ereignis im Leben eines Fliegenfischers, denn so etwas ist mir in 40 Jahren nur sieben Mal gelungen. Das bedeutet, statistisch kann ich alle sechs Jahre so einen Fang machen, und das ist schon fast wie ein Sechser im Lotto! Ehrwürdig betrachtete ich die im Gras liegende Meerforelle und maß und wog sie. Sie hat die Traum-Maße von 67 cm Länge und 3.9 kg Gewicht, die Höhe ist 18 cm. Im Magen finde ich dann ca. 70 Maifliegen, obwohl den Meerforellen nachgesagt wird, im Fluss keine Nahrung mehr aufzunehmen.

DSC02425 (Custom)

Dies ist für mich mein persönlicher Rekord auf Trockenfliege, den ich wohl kaum noch toppen kann. Obwohl ich weitaus größere Fische fangen durfte, ist dieser Fang die absolute Krönung für mich und besitzt den allerhöchsten Stellenwert, gefangen auf die feine Art mit feinem Gerät.

Stolz ergriff ich den Prachtfisch, den ich eigentlich nur so im Vorbeigehen erbeutet hatte, und trat den Heimweg an. Es war der einzige Fisch, der richtig gestiegen ist - es sollte wohl alles so sein.

Uwe Heyk