Eine Liebeserklärung an Greenheart-Ruten

Mit diesen Ruten können Sie 40er Forellen mit der Nymphe fangen oder einen Huchen mit 25 Pfund. Speziell beim Huchen wie auch beim Hecht werden die meist harten Kopfschläge abgefedert, wie Sie es wahrscheinlich bei keiner anderen Gerte erleben werden. Hier ein paar Ratschläge.

Der Baum Greenheart wächst vor allem in Südamerika, genauer gesagt in Französisch-Guinea. Greenheart ist ein extrem hartes Holz und nicht leicht zu bearbeiten. Außerdem ist das Schleifen und Feilen an diesem Baum durch den freiwerdenden Staub extrem toxisch.

Schon im 19. Jahrhundert schätzte man das Holz beim Bau von Bootsanlegestegen. Erst später wurde es für die Angelei entdeckt. Bevor die Angelei in Europa, speziell in Großbritannien, die Bambusruten aus den USA zu Gesicht bekamen, fischte man auf dem Kontinent mit Holzruten. Lancewood und besondere Greenheart waren Hölzer, die sich zum Rutenbau hervorragend eigneten.

 

Meine Ruten

Ich liebe diese Ruten. An manchen Angeltagen schätze ich sie noch mehr als meine Bambusgerten. Zwei 12-Fuß-Ruten und eine 14-Fuß-Rute sind mit mir unterwegs am Wasser. Durch ihre Spleissverbindung wirken sie wie eine durchgehende Stange. Die beiden Spleiße werden recht simpel mit einem Isolierband miteinander fixiert.

Meine Ruten sind meist das komplette Jahr zusammengefügt. Ich transportiere sie auf dem Autodach. Oft sogar schon komplett mit Rolle montiert.

 

Lagerung

Die Ruten lagern ausschließlich außerhalb des Hauses. In einem offenen Carport etwa. Greenheart muss möglichst zu jeder Zeit Feuchtigkeit ziehen können. Eine Todsünde ist es, diese Ruten in geschlossenen Räumen, im Keller oder gar in den Futteralen zu lassen. Sie trocknen Ihnen aus. Und beim ersten schönen Fisch haben Sie einen Set in der Spitze.

Sie merken schon jetzt, dass Sie sich beim Kauf einer Greenheart-Rute von Hülsenruten fernhalten sollten. Ruten, die zumeist unterhalb der Hülse brachen, waren in der Hülse komplett ausgetrocknet.

 

Kauf

Greenheart-Ruten findet man auf dem englischen Vintage-Markt. Lassen Sie die Finger weg von Angeboten, bei denen die Ruten „wunderschön lackiert“ sind. Auch hier wird dem Naturmaterial die Luft zum Atmen genommen. Ein (Verkäufer-) Schelm, der anderes behauptet.

In letzter Zeit sind nicht mehr so viele Greenhearts auf eBay UK. Ich schaue halt mehrmals in der Woche, wenn ich was suche. Die Ruten, die Sie derzeit finden, sind allesamt mit Hülsen. Stattdessen müssen Sie nach Vibration-rod suchen. 13-Fuß und 14-Fuß sind nicht zu empfehlen. 12-Fuß ist ideal (1 Fuß = 30,48 cm). Aber, wie gesagt, nicht so oft im Netz. Und dann schnell weg. Meine eigenen Gerten hatte ich für 100 Pfund bekommen. 

Ich lasse alle meine Ruten vom Reinhard Lang in Österreich generalüberholen (neue Ringe etc.). Dann machen sie richtig Freude.

 

Werfen

Eines der höchsten Gefühle beim Vintage-Fischen mit Greenhearts ist das Werfen. Meine Ruten sind sogenannte Vibration-Ruten. Richtig eingesetzt, vibriert die Rute beim Werfen vom Handteil bis in die Spitze. Das ist nur durch das spezielle Holz möglich. Und dadurch, dass keine Metallhülsen die Schwingung unterbrechen. Es ist kaum Anstrengung, nie Kraft notwendig, um die Fliege mit einem recht lässigen, leicht modifizierten Unterhandwurf auf 20 Meter zu bringen.

Aber: Verstehen Sie mich nicht falsch: Die Weite war für mich am Fluss noch nie ein Thema. Ich will mit ganz wenig Anstrengung aber mit viel Freude das gegenüberliegende Ufer meines Heimatflusses abfischen. Das sind 18 bis 20 Meter linear. Den Rest erledigt die Strömung. Und, wie ich schon in einem  anderen Beitrag schrieb, kann ich zwei- bis dreimal menden, ohne das Vorfach entscheidend zu stören. Sehr, sehr viele Vorteile gegenüber Kollegen, die mit ihren Einhandruten wedeln und wedeln. Dennoch: Manche mögen das ja. Und jeder macht es halt ein wenig anders.

 

Schnüre

Ich fische meine 12-Fuss-Ruten mit bis zu 3 verschiedenen Schnüren. Je nachdem wo und wie ich heute angeln möchte, fädele ich eine Klasse 7, eine Klasse 8 oder gar eine Klasse 9 ein. Bei kürzeren Würfen kommt die schwerere Leine zum Zuge; bei weiten Würfen die Klasse 7.

Mit diesen Ruten können Sie 40er Forellen mit der Nymphe fangen oder einen Huchen mit 25 Pfund. Speziell beim Huchen wie auch beim Hecht werden die meist harten Kopfschläge abgefedert, wie Sie es wahrscheinlich bei keiner anderen Gerte erleben werden.

 

Rolle

Meine Greenhart-Ruten werden mit entsprechenden Rollen bestückt. Ich will eine schwere Rolle, so ab 480 Gramm aufwärts. Sie balanciert mir die Rute mehr als perfekt aus.

Beim Fischen habe ich die Rute weit unter dem Arm, bin mit der Hand ganz vorne am Kork, meist noch ein weniger davor. Große Hardy Perfects oder eine Malloch Sun & Planet bringen das zustande. Und es ist eine Freude, mit 100 Jahre altem Gerät Fische zu fangen.

Nein, ich diskutiere mit keinem Angelkollegen über das Gewicht meiner Ausrüstung. Ich fische zur Hälfte aus Leidenschaft und zur Hälfte aus Freude. Und ich fische in Erinnerung an meinen Vater. Er gab mir eines der größten Geschenke meines Lebens. Er gab mir das Fischen.

Jeder macht es ein wenig anders…

Willie Ostiadal

 

Axel Janousch bedankt sich bei Willie Ostiadal für diesen guten Beitrag. Wenn auch Sie einen Artikel in diesem Blog schreiben möchten, setzen Sie sich bitte mit mir in Verbindung. Als Honorar erhalten Sie ein Vorfach Ihrer Wahl.

 

2 Kommentare

  • apropos: “….in Südamerika, genauer gesagt in Französisch-Guinea…”
    Sie meinten wohl Französisch-Guayana und haben es mit Guinea verwechselt, das war ebenfalls französisch … liegt aber an der Westküste von Afrika
    mbG
    Kurt Becker

    Kurt Becker
  • hallo Herr Ostiadal
    sehr schön geschrieben, Ihr Artikel, mit Empathie und wahrer Liebe zu altem Gerät, wie ich sie mit Ihnen teile.
    Doch ein wenig glaube ich, Sie etwas korrigieren zu dürfen:
    Grant’s Vibration Rods, entwickelt und ursprünglich hergestellt von :

    ""Alexander Grant (who was known as BATTAN) was born at Battangorm, Carrbridge in 1856. He was the inventor of “The Grant Vibration Rod”. A patent for this fishing rod was applied for in 1894 and was granted. The Application described the invention as “a non-slipping splice for fishing rods, golf club handles and other like articles.” In 1896, Grant demonstrated his invention to the angling press of the day at Kingston-Upon-Thames. The rod design was unique. It was in 2, 3 and 4 sections. usually made of greenheart wood. Each section was joined to the other by overlapping splices, held in place by leather thonging. The invention took the angling world by storm. The constant vibrations of the wood throughout the rod made it possible to cast enormous distances with little effort. In an angling Competition, Grant achieved a world record cast of almost 55 yards."
    Zitat aus: (The vintage tackle and flies of Aberdeen)

    Mich störte ein wenig Ihr gebrauchter Begriff Vibrationen in diesem Zusammenhang.
    Es handelt sich bei Grants Bezeichnung keineswegs um Vibrationen im modernen Sprachgebrauch, sondern um ein homogenes Schwingen im technischen Sinn beim Rutenbau und dem Werfen mit solchen, als Ergebnis seines Patents der “non-slipping splice” Verbindung :
    Das Englische Wort für Vibrationen und für Schwingungen ist das gleiche: vibration
    Für den mit der Wurftechnik mit “Spliced Rods”, ob Grants, Playfair oder später Sharpes weniger vertrauten Leser, mag es in diesem Zusammenhang etwas verwirrend erscheinen:
    Grants Ruten vibrier(t)en natürlich nicht, schon gar nicht im Sinne von mittleren oder höheren Frequenzen, sondern fühlten sich und das war neu für damalige Verhältnisse in ihrer Wurfcharakteristik homogen an, also über die ganze Länge schwingend, …ganz im Gegensatz zu den damaligen mit Messinghülsen geteilten schweren Lachsruten, oft noch mit Stahlseele, und mit Hülsen, die mit Druckknopf gesichert waren oder als Spiralhülsen ausgeführt, was Sie ja auch erwähnen.
    Da waren Grants Vibration Rods ganz andere Kaliber, da sie, wie Sie es so schön beschreiben, eine bis dahin bei mehrteiligen Ruten unbekannte gleichmäßige Aktion besaßen, ganz ohne die unangenehmen ruckelnden Hülsenverbindungen, die insbesondere bei älteren Ruten nicht mehr fest waren, was selbstredend eine Unruhe in die geworfene Schnur brachte und die Wurfleistung arg begrenzte.
    So weit mein Kommentar zu Ihrem schönen Artikel.

    Es freut mich immer auf Menschen zu treffen, die nicht alles alte über Bord werfen und auf jeden neuen Spleen springen. Selten sind es die Geräte, die limitieren, meist ist es der Mensch dahinter, der damit umgeht oder nicht umzugehen weiß.
    Und unsere Generation hat es leider verlernt, sich ein so wunderbares Gerät, wie alte Greenhart- oder Bambausruten mit Spleißverbindungen zu “erarbeiten” und zu verdienen. Statt seine Fähigkeiten zu verbessern, greift man eher nach neuem Gerät.
    Ich gehe gern, nein, eher lieber mit altem Gerät ans Wasser, da kommen, wenn man die einzelnen Komponenten zusammenzählt, schon mal 200 Jahre und mehr zusammen…. und wenn nix beißt, so erzählen mir wenigstens Rute und Rolle und alte Seidenschnur noch Geschichten, die modernes Gerät nie gekannt haben…und so fürchte ich, nie kennen werden.
    …in diesem Sinne…weiterhin “good vibrations”
    Kurt Becker

    Kurt Becker

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