Seidenschnüre verschiedener Hersteller sind anfangs steif und müssen eingeworfen werden. Ich gehe davon aus, dass ich etwa zwanzig Mal ans Wasser gehen bevor eine neue Schnur fertig eingeworfen und schön weich ist.
Das muss aber nicht sein. Diese Anleitung von Michael Cussigh dient zum Bau eines Schnur-Weichmachers. Sie ist das beste, was ich dazu kenne.
So gehen Sie vor:
Die Basis bildet ein Stück Buchenholz aus dem Baumarkt (11 x 4 x 2 cm). Verbaut sind weiters:
6 x Zylinderschrauben Innensechskant V2A M6 x 60
6 x Edelstahl Distanzhülsen Länge 30 mm - 8 x 6 x 1 mm (Außen x Innen x Wandstärke)
2 x Ringschrauben V2A M6 x 50
8 x Muttern V2A M6
6 x Muttern V2A M6
22 x Unterlegscheiben V2A M6 (Außendurchnesser 18 mm)
Der Materialwert der V2A-Teile beträgt ohne Holz ca. 32,50 Euro.
Tip: in vielen Baumärkten kann man Schrauben etc. in fertigen Gebinden oder lose kaufen. Lose iat das Material billiger als fertig abgepackt.
Befestigung
Diese Ausführung ist dafür gedacht, in einem Schraubstock fixiert zu werden. Man kann das Teil aber auch mit einer Hand festhalten und die Seidenschnur durchziehen.
Wer Zwingen zum Fixieren verwenden möchte, kann das Holz etwas länger zuschneiden, sodass links und rechts Zwingen angebracht werden können. Der glatte Teil der Zylinderschrauben misst 30 mm, was wiederum der Länge der Distanzhülsen entspricht, sodass die Hülsen dort gut laufen.
Schrauben
Bei den verwendeten Schrauben hat sich gezeigt, dass die Fläche unmittelbar unter dem Schraubenkopf geringfügig unsauber verarbeitet ist, sodass die Hülsen verhaken können. Um das zu beheben, wurden die Schrauben mit dem Gewinde voran in den Akkuschrauber gespannt und die genannten Stellen mit sehr feinem Nassschleifpapier nachgearbeitet. Dabei habe ich die restliche glatte Fläche noch poliert.
Wenn man Muttern in „hoher Ausführung“ verwendet, könnte die Originallänge der Zylinderschrauben passen.
Der Außendurchmesser der von mir verwendeten Scheiben beträgt 18 mm.
Die Bohrungen für die Schrauben haben einen Abstand von 20 mm, sodass zwischen den Scheiben genug Platz ist, um die Schnur später von oben einzulegen.
Würden sich die Scheiben berühren, müsste man die Schnur durch die Hülsen hindurch einfädeln. Das funktioniert zwar auch, ist aber etwas fummeliger.
So wird’s gemacht
Auf dem Holzblock werden die Bohrungen für die Zylinderschrauben in einem Abstand von Durchmesser Unterlegscheiben plus 2-3 mm in zwei Reihen versetzt angezeichnet.
Zusätzlich noch 2 Bohrungen links und rechts für die Ringschrauben anzeichnen.
Mit einem 12 mm Forsterbohrer wird für die Zylinderschrauben auf der späteren Oberseite vom Holzblock je Bohrung eine Vertiefung von 4 mm vorgebohrt. Darin verschwindet später die Sechskantschraube auf der Zykinderschraube.
Für die beiden Ringschrauben wird keine Vertiefung vorgebohrt.
Anschließend wird mit einem 6 mm Holzbohrer durch alle angezeichneten Bohrungen durchgebohrt.
Auf die glatte Lauffläche evtl. mit einem Q-Tip sehr, sehr wenig Spindelöl auftragen. Aber wirklich nur hauchdünn, denn das Öl soll später nicht in die Schnur laufen.
Auf die Zylinderschraube kommt wie dargestellt eine Unterlegscheibe, gefolgt von der Distanzhülse, einer weiteren Unterlegscheibe und einer Sechskantmutter. Die Sechskantmutter soweit eindrehen, dass die Distanzhülse möglichst wenig Spiel hat, sich aber dennoch gut dreht. Evtl. die Sechskantmutter mit flüssiger Schraubensicherung sichern, jedoch aufpassen, dass davon nichts unter die Hülse läuft!
Die Zylinderschrauben mit den eingesetzten Unterlegscheiben und der Hülse von oben in den Holzblock einsetzten, sodass die Sechkantmutter in der 12 mm breiten Vertiefung sitzt.
Nun von untern je eine Unterlegscheibe einsetzten und die Muttern lose andrehen.
Die Zylinderschraube am Kopf mit einem Imbusschlussel fixieren und die Muttern auf der Unterseite mit einem Schraubenschlüssel festdrehen. Dabei den Imbussschlüssel nicht (!) drehen, da sich sonst die Sechkantmutter unter Umständen weiter zudreht und die Hülse dann klemmt.
Nun noch die beiden Ringschrauben einsetzten und ebenfalls von unten mit einer Unterlegscheibe und einer Mutter festdrehen.
Um Beschädigungen zu vermeiden ist es sinnvoll, die Seidenschnur gerade und nicht etwa schräg nach unten über die Kante aus dem Führungsauge zu ziehen.
Fertig ist der Weichmacher.
Persönliche Anmerkung von Axel Janousch: Ich habe den Weimacher ausprobiert, er funktioniert wunderbar. Was mir gut gefällt: Sie brauchen Ihre Seidenschnur nicht durch alle Zylinderschrauben ziehen, oft reichen schon 3-4 davon, das schont die Schnur.
Wenn Sie kein Technik-Experte sind, setzen Sie sich bitte mit Herrn Cussigh in Verbindung, vielleicht fertigt er seinen Schnur-Weichmacher für Sie an.
Kontaktdaten Michael Cussigh
Michael Cussigh
Berta-Schulz-Straße 3
51674 Wiehl
m.cussigh@t-online.de